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Peer-Interaction-Methode

Theoretische und methodische Hintergründe

Schülerinnen und Schüler bringen ein vielfältiges Repertoire an eigenen Vorstellungen mit in den Chemieunterricht. Die Herkunft der Vorstellungen kann dabei variieren. So machen Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag zahlreiche Beobachtungen und Erfahrungen, die sie nutzen, um komplizierte und nicht direkt erfahrbare Phänomene zu erklären. Die eigenen Erklärungen müssen dabei nicht immer mit den wissenschaftlichen Erklärungen übereinstimmen. Aber auch der Chemieunterricht selbst kann dazu beitragen, dass die Lernenden Vorstellungen konstruieren, die nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen anerkannten Vorstellungen stehen. All dies ist für den Chemieunterricht von zentraler Bedeutung, da es kommende Lernprozesse beeinflussen kann.

Eine Vielzahl von Studien beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Erforschung und Beschreibung der Vorstellungen der Lerner. Neben verbalen Äußerungen stellen Zeichnungen eine wichtige Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler dar, ihre (bildhaften) Vorstellungen zu kommunizieren. Darüber hinaus finden sich eine beträchtliche Anzahl an Studien, die die Veränderung von Lernervorstellungen zum Inhalt hat. Dennoch sind Instrumente für den Unterricht, die sowohl für die Lehrkraft als auch für die Schülerinnen und Schüler von Nutzen sein können, rar.

Die zweistufige kollaborative Peer-Interaction-Methode ermöglicht es Lehrkräften mehr über die individuellen Vorstellungen ihrer Schülerinnen und Schüler zu erfahren. Gleichzeitig bietet sie den Lernenden die Gelegenheit ihre eigenen Vorstellungen zu aktivieren, in einen Kommunikationsprozess mit ihren Peers einzubringen und im Zuge dessen weiterzuentwickeln.

Umsetzung

Im Zuge der Umsetzung der Methode bearbeiten die Schülerinnen und Schüler zunächst gleiche Aufgaben in Einzelarbeit, um sich in einem darauffolgenden Aushandlungsprozess in Partnerarbeit auf eine gemeinsame Lösung zu einigen (s. Abb. 1). Der Aushandlungsprozess wird dabei durch den Einsatz eines kurzen Kollaborationsskripts begleitet.

Die zugrundeliegenden Arbeitsblätter unterstützen die Umsetzung der Methode. Die Arbeitsblätter fokussieren jeweils auf ein spezielles Phänomen und folgen einem vorgegebenen Aufbau. Ein einleitender Informationstext dient dazu, schwierigkeitsgenerierende Fachtermini zu klären und sicherzustellen, dass die Lernenden eine vergleichbare Vorwissensebene aufweisen. Nachfolgend werden den Schülerinnen und Schülern eine oder mehrere Aufgaben gestellt. Die Aufgaben können dabei in einem geschlossenen oder offenen Format sein. Als dritter zentraler Bestandteil ist eine Zeichenaufgabe vorgesehen.

Ergebnisse

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass es den Lernenden durch die Arbeitsblätter möglich ist, ihre individuellen Vorstellungen über spezifische Phänomene und die zugrundeliegenden Theorien zu externalisieren. Dies zeigt sich u. a. in den unterschiedlichen Einzelbearbeitungen der jeweiligen Kleingruppen. Gleiches gilt für den direkten Vergleich zwischen Einzelbearbeitung und dem Ergebnis der Gruppenarbeit. Auch hier finden sich häufig Unterschiede zu den zugrundeliegenden Einzelbearbeitungen. Der zuletzt genannte Aspekt deutet daher außerdem darauf hin, dass die Lernenden ihre persönlichen Vorstellungen nicht nur externalisieren, sondern ebenfalls in einen Kommunikationsprozess einbringen können.

Ausblick

Bislang wurden von der Hannoveraner Arbeitsgruppe Peer-Interaction-Arbeitsblätter zu verschiedenen Themenbereichen aus den Jahrgangsstufen 7-12 entwickelt und erprobt. Diese umfassen z. B. Teilaspekte des Teilchenmodells, der chemischen Reaktion oder des chemischen Gleichgewichts. Der Fokus des Projektes liegt in der Entwicklung und Erprobung weiterer Peer-Interaction-Arbeitsblätter zu noch nicht erfassten Themenbereichen.

 

Publikationen

Schanze, S. & Busse, M. (2015): Peer-Interaction. Förderung des Konzeptverständnisses durch ein kollaboratives Aufgabenformat. NiU-Chemie, Heft 149, S. 26-34